Jolinchen's Welt
Jolinchen's Welt
Trocken

Vielleicht bin auch ich diejenige mit den schmuddeligen Gedanken, aber bei manchen Formulierungen von Männern kriegen wir Frauen manchmal die Krise in der Apotheke. Wir sollten neben unserer Kaffeekasse auch noch eine „Schwein-Kasse“ einführen und  jedem Perversen diese vor die Nase halten. (Das betrifft insbesondere den Tampon-Typ, der uns einen in Erdbeermarmelade getunkten Tampon vor die Tür gelegt hat, aber das ist eine andere Geschichte.) Das „Schwein“- Sparschwein wäre bestimmt viel schneller gefüllt, als die Kaffeedose. Und wenn die voll ist, kaufen wir uns von der „Schwein-Kasse“ einen Boxsack, als Ventil für unsere negativen Energien. Nebenbei wäre dies auch ein gutes Training für eine Nahkampfsituation (eventuell auch ganz nützlich beim Ausliefern). Folgende Szenerie spielte sich in der Apotheke ab:  Es kam ein älterer Herr mit gepflegtem Moustache-Clark-Gable- Gedächtnis- Schnauzbart (Schnurrrrrrbart!!! Igitt! )  und Brille herein, sagte ganz direkt und schnörkellos  zu meiner Kollegin: „Guten Tag! Ihr Busch ist trocken!“ Es war so still, man hätte  sogar die Ameisen vor der Apotheke niesen hören können.  Zufällig war ich gerade an der Kasse daneben und habe die Szene von Anfang an verfolgen können. Ich habe gerade Taschentücher in die Schubladen geschlichtet, als ich diesen gewagten Satz hörte von einem Hochschullehrer, der nun auch wirklich viele andere Möglichkeiten hatte sein Anliegen zu formulieren. Vor Schreck viel mir gleich eine Packung Taschentücher herunter. Und nicht nur die, mir wären fast die Sommersprossenpunkte aus der  Visage geploppt.  Ich beobachtete das Gesicht von meiner Kollegin, das erst irritiert wirkte, sich aber dann zuzog wie die finsterste Nacht. „Ihr Busch!“ sagte der Mann nochmal, wartete einen Moment, drehte sich dann um und deutete auf unser Bäumchen vor der Apotheke. Ich hatte es geschnallt und hakte schnell ein, bevor meine Kollegin ihn überrollen konnte wie eine Dampflock. „Unserem Busch draußen geht’s prima!“ flötete ich von der Seite. „Der muss mal gegossen werden!“ ritt er tatsächlich weiter darauf herum. Meine Kollegin mit dem Kiefer malmend  und so fuchtig als würde sie gleich in einen Hexler geraten: „Wir gießen regelmäßig!“ Endlich gab er dann Ruhe. Er hätte sagen können: „Die Pflanze draußen braucht Wasser!“ oder  „Das Bäumchen müsste gegossen werden!“ Nein, er kommt herein und sagt: „IHR Busch ist trocken!“ zumal es gar keinen Busch gibt, sondern nur einen Baum vor der Tür. Ist das einfach nur eine unglückliche Wortwahl und ich bin das Schweinchen das findet,  dass es anrüchig klingt oder ist der ältere Herr im piekfeinen, grauen Anzug und der Brille auf der Nasenspitze mit der Schorres-Rotzbremse doch nicht unschuldig? Und was die Ameisen vor der Apotheke um den Blumentopf angeht, ich weiß gar nicht was an denen so schlimm ist? Emsig wimmeln sie umher in ihrem kleinen Ameisenuniversum und stören keinen. Weshalb meine Chefin will, dass ich Giftköder aufstelle ist mir unbegreiflich. Will etwa jemand auf den Pflastersteinen neben dem Blumentopf ein Picknick aufschlagen? Ich habe nicht einen Menschen beobachten können, der vor der Apotheke steht und auf den Boden starrt und Ameisen zählt. Es gibt freilich Menschen, die sich für die Blumen interessieren, das kommt schon vor. Wir hatten mal in kupfernen, bleischweren Blumentöpfen  Buchsbäumchen, die ich jeden Sommer Tag für Tag gegossen hatte. Aus dem hinterletzten Zimmer hab ich die volle fünf Liter Gießkanne zig Mal wie der Glöckner von Notre Dame nach ganz vorne geschleppt und dann komm ich eines Morgens an und sehe das Verbrechen. In einer Nacht und Nebel Aktion hat eine Bande räuberischer Schurken unsere Buchsbäumchen herausgerissen, entführt und dabei eine Blutspur aus Erde hinterlassen, die bis auf den Parkplatz reichte. Wer macht so etwas?  Ich stelle mir vor, wie ein paar Kerle sich verabreden um der Apotheke Buchs zu klauen, ausgerüstet mit Schaufeln auf den Buckeln. Da das ziemlich alte Buchs waren, sind ihre Wurzeln bestimmt dick und tiefschlagend gewesen.  Es muss ganz schön schweißtreibend gewesen sein, die alten knorrigen Buchs herauszuzerren. Ich hätte so gerne dabei zugesehen, wie die sich plagen. Wenigstens diese Belohnung hätte mir gegönnt werden sollen, nachdem ich sie so fleißig gegossen hatte. Immerhin haben sie den letzten nicht geschafft. Was machen sie denn mit ihrer Beute? Rauchen? Ich meine eine Apotheke hat sicherlich besseren Stoff zu bieten für kriminelle Aktionen. Wahrscheinlich sind es ein paar achtzig-jährige mit einer Profigärtnerausrüstung gewesen, die sich die Buchs auf ihren Balkon stellen. Jedenfalls gibt es seit damals nur noch den Baum vor der Tür, der nicht TROCKEN ist!

7.12.14 19:37
 


bisher 0 Kommentar(e)     TrackBack-URL

Name:
Email:
Website:
E-Mail bei weiteren Kommentaren
Informationen speichern (Cookie)



 Smileys einfügen
Gratis bloggen bei
myblog.de