Jolinchen's Welt
Jolinchen's Welt
Radlgeschichten

Ich fahre schon seit langem mit meinem Fahrrad auf die Arbeit und liefere auch damit aus. Das ist gut für die Fitness, für die Umwelt und für den Geldbeutel. Aber zugegeben ich vernachlässige meinen Drahtesel. Neuerdings quietscht er, irgendetwas schleift an meinem Rad. Leider bin ich unfähig etwas dagegen zu unternehmen und so sause ich wie eine Lokomotive durch die Straße: Knatter-ratter- ratter-tsch-tsch… . Wenn ich den Berg hinunterjage muss ich richtig scharf bremsen, damit ich unten angekommen, nicht in den fahrenden Verkehr rase und dann hört sich das an, als würde ein Güterzug bremsen. Es hallt durch die Straßen. Am Fuße des Berges versammeln sich manchmal Jugendliche um zu chillen, aufs Handy zu glotzen und sich dabei gegenseitig Nachrichten zu schicken. Wenn ich komme, heben sich die Köpfe. Mein kreischendes Fahrrad bewirkt auch mal was Gutes. Allerdings finde ich es überhaupt nicht nett, einer  Frau unter den Rock gucken zu wollen! Das Gejole und das F-Wort will ich nicht hören!  Seh ich etwa aus wie eine Zigeunerkurtisanin? Es gibt rein gar nichts zu sehen, meine Strumpfhosen sind blickdicht und der Rock ist lang genug. Doch selbst wenn ich nackig auf dem Rad wär, sowas brüllt man einem nicht nach! Sonst fahr ich das nächste Mal zurück: tsch-tsch-ratter-ratter-knatter und leg euch Flegel übers Knie! Frechheit!

In einer anderen Situation radele ich gemütlich durch die Straße bei super Herbstwetter: Sonne, bunte Blätter und Spinnweben! Mitten auf der Fahrbahn fahr ich durch ein riesiges Spinnennetz. Ein Albtraum! Spinnen konnte ich noch nie leiden. Ist es die Art wie sie sich bewegen? Ihr pelziger Körper? Die acht Augen? Ich weiß nicht warum, aber ich finde sie gruselig. Spinnen gründen in meiner Wohnung eine Parallelgesellschaft. Denn was ist schlimmer als der Anblick einer Spinne? Sie zu töten oder zu fangen. Im Herbst bekommen wir stetig neuen Besuch, neulich sah ich eine untertassentellergroße in meiner Nähecke  (also mit den Beinen). Ist das normal mit den Spinnen? Oder habe ich hier ein mikrobiologisches Paradies für die Arachniden. Jedenfalls war das Tier in meiner Bude so groß, dass ich ihm gleich einen Namen gab. Thekla. Um ein besseres emotionales Verhältnis zu ihr zu bekommen. Als mein Freund, der sich als Spinnenfreund entpuppt hat (er fängt sie sehr behutsam, wenn er sie zu Gesicht bekommt, in einem Glas und setzt sie aus), kam, war Thekla nicht mehr da. Was ist noch schlimmer als der Anblick einer Spinne oder sie zu fangen? Dass sie nicht mehr an dem Ort ist, an dem man sie zuletzt sah und  sie sich in der Nacht im Schlaf von der Decke seilt und auf dem Gesicht landet! Aber ich schweife ab, wie ihr seht bin ich gegenüber Spinnen zimperlich. Jedenfalls fuhr ich mit dem Fahrrad durch ein Spinnennetz und ich spürte die Fäden auf meinen Wangen wie eine hauchzarte Haut, die sich über mein Gesicht spannte und ich meine auch, ich hätte aus dem Augenwinkel einen dunklen Fleck erkannt. Keine Panik! Ich trat weiter in die Pedale, ich musste mich vergewissern, dass es ein Spinnennetz war. Ich tastete mein Gesicht ab und meine Hand war danach klebrig. Wie furchtbar! Ich blickte entlang meines Ärmels und da war das Vieh! Es baumelte im Fahrtwind am seidenen Faden, der an meinem Ärmel klebte. In dem Moment fuhr ich an einem Kindergarten vorbei und die Kinder spielten im Garten, als ich schlangenlinienfahrend mit dem Arm wedelnd  und quiekend vorbei fuhr. Was die wohl dachten? Da ich natürlich gleichzeitig versuchte auf den Verkehr zu achten, ist mir entgangen ob und wie die Spinne sich gerettet hat.  Sie war einfach weg. Um Himmelwillen wo? Ich stieg vom Rad, zog die Jacke aus, blickte an mir herunter, kontrollierte meine Kleidung. Nichts. Mit einem ziemlich mulmigen Gefühl fuhr ich weiter auf die Arbeit und dort angekommen, untersuchte ich meine Locken. Es gäbe kein besseres Versteck als das Wirrwarr meiner Haare für die Spinne. Ich dachte nur noch daran in die Badewanne zu hüpfen. Wie ein Mantra wiederholte ich das Wort: Badewanne, Badewanne, Badewanne…  in meinem Kopf. Als eine Kollegin mich von hinten ansprach und  mich aus diesem Gedanken riss, schreckte ich auf und fragte: „WAnne?“  Und als ich bediente nestelte ich ab und zu weiter in meinen Haaren, wodurch ich durchaus den Eindruck erweckt haben könnte, dass ich eventuell Läuse habe. Ich entschied mich nicht weiter zu spinnen,  schließlich hab ich die Fäden in der Hand gegenüber meinen Ängsten und so versuchte ich es positiv zu sehen und dachte an Spiderman. Hey, vielleicht krieg ich ja Heldenkräfte? Wenn mir dann das nächste Mal  pubertierende Jungs obszöne Sachen hinterher rufen, werde ich ihnen den Hintern derart versohlen, sodass sie mich nächstes Mal nett grüßen und vor mir salutieren, wenn ich mit meiner Radlokomotive vorbei fietse.

P.S. 1: Thekla wurde im Schlafzimmer gesichtigt. Bevor mein Freund, der Spinnenfänger, sie jedoch eliminieren konnte, verschlupfte sie sich hinter dem Schrank… (Wenn jemand wissen will wie ich mich vor dem Einschlafen fühle, kann sich mal Hitchcock`s Music – Psycho anhören).

P.S. 2: Wer die Musik  jetzt kennt, weiß mit welchen Augenringen ich derzeit in die Arbeit geh…

 

03.11.2014

Habt ihr das von Katie Melua gehört? Mein Gott! Meine Alptraumphantasien können in der Realität noch übertroffen werden. Katie Melua hatte eine kleine Spinne im OHR. Diese hatte sich in Kopfhörern eingenistet und gelangte von dort in ihren Gehörgang. Katie bemerkte EINE WOCHE lang ein rascheln im Ohr, das daher rührte, dass die Spinne mit ihren Beinchen auf dem Trommelfell herumtanzte. Ab jetzt werde ich jedes Mal obsessiv meine Kopfhörer kontrollieren. HORROR…

 

 

26.10.14 10:30
 


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