Jolinchen's Welt
Jolinchen's Welt
Trocken

Vielleicht bin auch ich diejenige mit den schmuddeligen Gedanken, aber bei manchen Formulierungen von Männern kriegen wir Frauen manchmal die Krise in der Apotheke. Wir sollten neben unserer Kaffeekasse auch noch eine „Schwein-Kasse“ einführen und  jedem Perversen diese vor die Nase halten. (Das betrifft insbesondere den Tampon-Typ, der uns einen in Erdbeermarmelade getunkten Tampon vor die Tür gelegt hat, aber das ist eine andere Geschichte.) Das „Schwein“- Sparschwein wäre bestimmt viel schneller gefüllt, als die Kaffeedose. Und wenn die voll ist, kaufen wir uns von der „Schwein-Kasse“ einen Boxsack, als Ventil für unsere negativen Energien. Nebenbei wäre dies auch ein gutes Training für eine Nahkampfsituation (eventuell auch ganz nützlich beim Ausliefern). Folgende Szenerie spielte sich in der Apotheke ab:  Es kam ein älterer Herr mit gepflegtem Moustache-Clark-Gable- Gedächtnis- Schnauzbart (Schnurrrrrrbart!!! Igitt! )  und Brille herein, sagte ganz direkt und schnörkellos  zu meiner Kollegin: „Guten Tag! Ihr Busch ist trocken!“ Es war so still, man hätte  sogar die Ameisen vor der Apotheke niesen hören können.  Zufällig war ich gerade an der Kasse daneben und habe die Szene von Anfang an verfolgen können. Ich habe gerade Taschentücher in die Schubladen geschlichtet, als ich diesen gewagten Satz hörte von einem Hochschullehrer, der nun auch wirklich viele andere Möglichkeiten hatte sein Anliegen zu formulieren. Vor Schreck viel mir gleich eine Packung Taschentücher herunter. Und nicht nur die, mir wären fast die Sommersprossenpunkte aus der  Visage geploppt.  Ich beobachtete das Gesicht von meiner Kollegin, das erst irritiert wirkte, sich aber dann zuzog wie die finsterste Nacht. „Ihr Busch!“ sagte der Mann nochmal, wartete einen Moment, drehte sich dann um und deutete auf unser Bäumchen vor der Apotheke. Ich hatte es geschnallt und hakte schnell ein, bevor meine Kollegin ihn überrollen konnte wie eine Dampflock. „Unserem Busch draußen geht’s prima!“ flötete ich von der Seite. „Der muss mal gegossen werden!“ ritt er tatsächlich weiter darauf herum. Meine Kollegin mit dem Kiefer malmend  und so fuchtig als würde sie gleich in einen Hexler geraten: „Wir gießen regelmäßig!“ Endlich gab er dann Ruhe. Er hätte sagen können: „Die Pflanze draußen braucht Wasser!“ oder  „Das Bäumchen müsste gegossen werden!“ Nein, er kommt herein und sagt: „IHR Busch ist trocken!“ zumal es gar keinen Busch gibt, sondern nur einen Baum vor der Tür. Ist das einfach nur eine unglückliche Wortwahl und ich bin das Schweinchen das findet,  dass es anrüchig klingt oder ist der ältere Herr im piekfeinen, grauen Anzug und der Brille auf der Nasenspitze mit der Schorres-Rotzbremse doch nicht unschuldig? Und was die Ameisen vor der Apotheke um den Blumentopf angeht, ich weiß gar nicht was an denen so schlimm ist? Emsig wimmeln sie umher in ihrem kleinen Ameisenuniversum und stören keinen. Weshalb meine Chefin will, dass ich Giftköder aufstelle ist mir unbegreiflich. Will etwa jemand auf den Pflastersteinen neben dem Blumentopf ein Picknick aufschlagen? Ich habe nicht einen Menschen beobachten können, der vor der Apotheke steht und auf den Boden starrt und Ameisen zählt. Es gibt freilich Menschen, die sich für die Blumen interessieren, das kommt schon vor. Wir hatten mal in kupfernen, bleischweren Blumentöpfen  Buchsbäumchen, die ich jeden Sommer Tag für Tag gegossen hatte. Aus dem hinterletzten Zimmer hab ich die volle fünf Liter Gießkanne zig Mal wie der Glöckner von Notre Dame nach ganz vorne geschleppt und dann komm ich eines Morgens an und sehe das Verbrechen. In einer Nacht und Nebel Aktion hat eine Bande räuberischer Schurken unsere Buchsbäumchen herausgerissen, entführt und dabei eine Blutspur aus Erde hinterlassen, die bis auf den Parkplatz reichte. Wer macht so etwas?  Ich stelle mir vor, wie ein paar Kerle sich verabreden um der Apotheke Buchs zu klauen, ausgerüstet mit Schaufeln auf den Buckeln. Da das ziemlich alte Buchs waren, sind ihre Wurzeln bestimmt dick und tiefschlagend gewesen.  Es muss ganz schön schweißtreibend gewesen sein, die alten knorrigen Buchs herauszuzerren. Ich hätte so gerne dabei zugesehen, wie die sich plagen. Wenigstens diese Belohnung hätte mir gegönnt werden sollen, nachdem ich sie so fleißig gegossen hatte. Immerhin haben sie den letzten nicht geschafft. Was machen sie denn mit ihrer Beute? Rauchen? Ich meine eine Apotheke hat sicherlich besseren Stoff zu bieten für kriminelle Aktionen. Wahrscheinlich sind es ein paar achtzig-jährige mit einer Profigärtnerausrüstung gewesen, die sich die Buchs auf ihren Balkon stellen. Jedenfalls gibt es seit damals nur noch den Baum vor der Tür, der nicht TROCKEN ist!

7.12.14 19:37


Aufschieberitis

Es sieht bei mir aus wie in einem darwinistischem Überlebensbiotop. Das stärkste Tier derzeit ist die Eintagsfliege in meiner Wohnung. Warte nur ab Fliege, morgen sieht es anders aus! Was nicht heißt das ich mich morgen besser fühle. Ach ich vergaß Thekla, die Spinne. Natürlich hat sie derzeit die Hoheit, samt ihrer Spinnengesellschaft. Wo sie wohl sein mag? Hinterm Schrank? Am Bettpfosten? Unterm Kopfkissen? Aber ich werde ihr noch verklickern, solange mein Freund der Spinnenfänger in China ist, soll sie sich in ihrem Tanzbereich aufhalten und ich bleib in meinem. Mein Freund und ich leiden an der gleichen Krankheit: Aufschieberitis. Deswegen sieht es jetzt auch aus wie bei den Hottentotten. Er fährt zwei Wochen nach China und hat am Tag davor nicht gepackt. Ich hab ihn ja gewarnt, aber  er musste heute früh seinen Kleiderschrank umwälzen und nach passenden Klamotten suchen und einen Kleiderhaufen hinterlassen, das Badezimmer überschwemmen und wie auf der Flucht seinen Kaffee hinunterstürzen. Es fiel ihm eine Stunde vor Abfahrt ein, dass er keine Hülle hat für sein neues Spielzeug, ein Nexus Tablet. Ich sollte ihm mal schnell eine aus Filz flicken. Also ab an die Nähmaschine und eine etwas unsymmetrische Hülle geklöppelt.  In der Schnelle der Zeit keinen Klettverschluss gefunden und den gesamten Nähkram durchforstet, mir in den Finger gepikst wie Dornröschen und heraus kam eine erbarmungswürdige Tablet-Hülle. Schnell über die Strickjacke noch eine Strickjacke gezogen und sogar ungeschminkt Hals über Kopf die Wohnung verlassen. (Ich sah aus wie eine Geisha, die die ganze Nacht in einer verrauchten Bar ausgeschenkt hat und nicht mit der Espressomaschine klar gekommen ist, sodass sich die Kaffeespritzer über das ganze Gesicht verteilt haben.) Jedoch brauche ich nicht über ihn zu spötteln, bin kein Deut besser. Aber ich will nicht anfangen zu erzählen, was ich alles vor mir herschiebe, sonst krieg ich ein schlechtes Gewissen, so als wäre ich aus dem Haus gegangen und hätte den Wasserhahn tröpfelnd angelassen. Immerhin habe ich es dieses Wochenende beinahe geschafft, die Terrasse winterfest zu machen. Ich sah nachher aus wie Einer aus Jacksons Thriller Video. Überall Erde. Ich bin eher der Typ, der aufsteht, rausgeht und feststellt, dass eine kühle Brise weht. Statt mir das Wetter für die kommenden Wochen anzuschauen. (Dass Weihnachten ein echtes Problem für mich ist, versteht sich ja von selbst). Ich habe nicht mal einen Kalender in der Wohnung.  Andere wissen wo sie in fünf Jahren stehen wollen und ich habe keinen Plan für nächste Woche. Ich weiß nur das Hamsterrad dreht sich weiter und weiter.

11.11.14 20:10


30

8:30

„Guten Morgen alte Frau!“ Mit diesem Satz begrüßte mich heute Früh mein Freund und drückte mir einen Schmatzer auf die Backe. War das sein Ernst? Sehr ermunternd in Betracht dessen, dass heute mein dreißigster ist. Ich weiß immer noch nicht, ob das ein Scherz war. Frechheit! Ich war allerdings zu müde um ihm für diese arge Beleidigung eine Kopfnuss zu verpassen, ich war einfach zu langsam. Er war schon unter der Dusche bis mir die Wut, pochend in meinen Adern, ins Gehirn schoss, ins Walnuss-Hirnchen. Verdammt! Ist Langsamkeit nicht ein Zeichen von Alterung? Nein, ich werde jetzt nicht der Resignation verfallen, schließlich schaffe ich es noch die Leute zu verblüffen. Neulich hat ein Mann an meiner Haustür geklingelt und wollte um eine Spende bitten. Allerdings fragte er nach meinen Eltern, er hielt mich nicht für entscheidungsfähig aufgrund meines jugendlichen Aussehens. “Meine Eltern? Ich bin dreißig! Ich denke, ich kann das alleine entscheiden!“ Schmetterte ich ihm triumphierend in sein verdutztes Gesicht. Daran werde ich mich heute aufraffen. Außerdem: Man ist so alt wie man sich fühlt!

P.S.: Freundchen, wenn wir uns heute Nachmittag sehen und es gibt noch so ein Spruch, gibt’s ne Rauferei! Und wenn du meinst ich wäre alt, dann bist du bereist so runzlig und alt wie eine Rosine unter Al Bundys Sofa.

 

12:30

Puh, Arbeit geschafft! Blumen und Geschenke eingeheimst. Danke Leute! Mittags warme Kipfel mit Nutella gegessen. Schmackofatz! Nochmal über meinen Wutanfall nachgedacht. Schatz, es tut mir leid du bist nicht runzelig, deine Haut ist glatt wie ein Babypopo…

 

21:30

Jetzt mal ein vernünftiges Wort nach zwei Gläsern Wein: Ich will älter werden! Sonst müsst ich ja früh sterben...

 

Am nächsten Tag

23:30

Kaum bin ich dreißig, erlebe ich den ersten Schwächeanfall meines Lebens. Mal wieder vor dem Fernseher eingeschlafen, aufgewacht und meinen alternden Leib schlaftrunken die Treppen hoch ins Badezimmer geschleppt. Zahnbürste geschnappt und Zahnpasta daneben gespritzt. Auf einmal hatte ich zwei in der Hand, was allerdings nicht daran lag, dass ich meine Brille nicht aufhatte. Ich blickte in den Spiegel und sah mein Antlitz aschfahl. Mein Magen begann sich auf einmal von innen nach außen zu drehen. Ach du Schande! Ich stellte mich auf einen Brechschwall ein, hängte meinen Oberkörper über die Kloschüssel und währenddessen hörte ich mein Herz in den Ohren schlagen. Ich bekam keine Luft in die Lungen, also richtete ich mich wieder auf und kalter Schweiß lief mir die Stirn hinunter und das Schlagen meines Herzens in den Ohren wich einem Meeresrauschen, das den ganzen Raum erfüllte. Ich stützte mich am Waschbeckenrand ab und sah plötzlich Sternchen, während ich auf die Welle wartete, die mich umhaut. Achtung! Es wird gleich dunkel, ging mir durch den Kopf. Aber ich stand und atmete, atmete und atme noch.

 

7.11.14 14:34


Gestank

Letzte Woche habe ich im Labor fünfzig Tropfgläser Baldriantinktur abgefüllt, was für meine Nase wahrlich kein Vergnügen war. Riecht wie Iltis nach einem Jogginglauf. Aber sie sind sehr gefragt zum Leidwesen für den, der sie abfüllen muss. Wer mich kennt, ahnt bereits was passieren könnte. Ich habe nicht nur den Hintern einer Elefantenkuh, sondern besitze auch noch deren Geschicklichkeit. Ich marschiere nicht gemütlich wie ein Dickhäuter durch die Apotheke, nein, ich wetze. Vom Labor zur Offizin, von Offizin zum Bestellplatz zurück ins Labor. Meine Rückansicht gleicht der einer galoppierenden Elefantenkuh. Ich bin in der Arbeit eigentlich sehr genau und ordentlich, aber hin und wieder kommt das Tollpatsch-Gen eben doch durch. Weil ich so viel geflitzt bin, hab ich in der Hektik ein Fläschen Baldriantinktur mit dem Handrücken umgeworfen und die stinkende Flüssigkeit ergoss sich auf meine Jeans, spritzte dabei auch noch meinen Kittel voll und sogar die Brille war braun gesprenkelt.  Der Tag war bis zu diesem Moment so harmonisch, alles lief wie am Schnürchen, doch dann verzogen sich die Schäfchenwolken in meinem Gemüt und Cumulonimbuswolken türmten sich auf in meinem Inneren und das obwohl ich in einer stinkenden Baldrianwolke stand, die mich eigentlich hätte beruhigen sollen. So viel wie ich davon inhaliert habe, hätte ich eigentlich die Gelassenheit selbst sein sollen, stattdessen schimpfte  ich leise skatologisch. Der Schäfer auf der Baldrian Packung guckt wahrscheinlich nur so selig, weil er an der frischen Luft ist und Schäfchen zählen darf (hätte ich auch gern!). Da ich ja darauf achte immer einen zweiten Kittel in petto  zu haben, konnte ich meinen vollgesabberten wechseln und stand dann wenigstens nur noch in stinkenden Jeans hinterm HV-Tisch. Oben Hui, unten Pfui! Beim Bedienen konnte ich beobachten wie manche die Nase rümpften. Andere traten einen Schritt zurück und wieder andere waren ganz direkt: „Hier stinkt`s nach altem Putzlumpen!“  sagte eine ältere Dame, die aussah und sich bewegte wie eine Disneyhexe. Denen konnte ich wenigstens den Grund erklären, während die anderen wohl dachten ich hätte übelste, stinktiermäßige Flatulenzen. So wie unsere Putzfrau. Sie kam herein, stellte sich breitbeinig hinter den Tresen und sagte angewidert: „Hier stinkt`s!“ schnüffelte in die Luft wie ein Bluthund der eine Fährte aufnimmt und blieb letztendlich mit ihrem Blick an mir hängen. „Hat jemand in die Hose gemacht?“ fragte sie mich todernst. Obwohl ich mich schon wegen meines Geruches schämte, kringelte ich mich innerlich vor Lachen, schlug geradezu Purzelbäume, versuchte aber ebenfalls ernst zu wirken. Diese unterschwellige Anschuldigung verführte mich geradezu den Satz zu formulieren: „Oh Mann, mir saß der Furz so quer, ich musste jetzt unbedingt einen fahren lassen, sonst hätt`s mich zerrissen!“ Sie stutzte kurz, aber fing dann das Lachen an, weil ich den letzten Teil des Satzes nur im hyänenhaften Gekicher  hervorbrachte.  Natürlich löste ich die Situation auf und beschloss nicht weiter hier wie ein Wiedehopf zu stinken. Ich musste an die frische Luft, Landluft, die nun auch einen charaktervollen Duft hatte, weil der Bauer frisch gedüngt hatte. Um die Räumlichkeiten nicht zu verpesten, entschied ich mich mit meinem klapprigen Fahrrad ausliefern zu gehen, draußen merkt ja  keiner meinen Gestank, weil alles stinkt. Wie der Zufall es so will, lande ich bei einer Katzenliebhaberin. Sie machte die Tür auf und nahm mit ausgestrecktem Arm ihre Medikamente entgegen (wenn sie eine Kneifzange gehabt hätte, dann hätte sie eine benutzt), fischte in ihrer Geldbörse nach Kleingeld und während sie da hektisch herumfummelte, drückte sich durch den Türspalt eine Samtpfote, schmiegte sich an meine Beine und schnurrte. So ein süßes Kätzchen.  Ich ging in die Hocke und verwöhnte sie mit Streicheleinheiten, während sie ihren Kopf an mir rieb. Endlich hatte die Frau das Geld zusammen und gab es mir, aber die Katze wollte nicht zurück in die Wohnung. Ich war begehrt wie Sahne, an der die Mieze schlabbern wollte. Die Besitzerin, etwas irritiert von dem Verhalten ihres Stubentigers,  schnalzte mit der Zunge und lockte und rief, aber die Katze sträubte sich. Als der Aufzug da war, stieg ich ein und sah noch während des Schließens der Aufzugtüren, wie sich die Mieze katzbucklig und miauend gegen die Hände ihrer Besitzerin wehrte, die sie in der Luft fing, bevor sie in den Aufzug hüpfen konnte. Mensch, ich war doch noch attraktiv, zumindest fürs Kätzchen. Als ich unten angekommen, die Haustüre öffnete und auf mein Fahrrad steigen wollte, saßen wie bestellt und nicht abgeholt zwei weitere schnurrende Miezen, die mich total verklärt ansahen mit ihren schlitzförmigen Pupillen und ihren im Zeitlupentempo winkenden Schwanzspitzen. Ein bisschen unheimlich war das schon. Aber mir wurde alles klar. Der Baldrian…

2.11.14 11:13


Radlgeschichten

Ich fahre schon seit langem mit meinem Fahrrad auf die Arbeit und liefere auch damit aus. Das ist gut für die Fitness, für die Umwelt und für den Geldbeutel. Aber zugegeben ich vernachlässige meinen Drahtesel. Neuerdings quietscht er, irgendetwas schleift an meinem Rad. Leider bin ich unfähig etwas dagegen zu unternehmen und so sause ich wie eine Lokomotive durch die Straße: Knatter-ratter- ratter-tsch-tsch… . Wenn ich den Berg hinunterjage muss ich richtig scharf bremsen, damit ich unten angekommen, nicht in den fahrenden Verkehr rase und dann hört sich das an, als würde ein Güterzug bremsen. Es hallt durch die Straßen. Am Fuße des Berges versammeln sich manchmal Jugendliche um zu chillen, aufs Handy zu glotzen und sich dabei gegenseitig Nachrichten zu schicken. Wenn ich komme, heben sich die Köpfe. Mein kreischendes Fahrrad bewirkt auch mal was Gutes. Allerdings finde ich es überhaupt nicht nett, einer  Frau unter den Rock gucken zu wollen! Das Gejole und das F-Wort will ich nicht hören!  Seh ich etwa aus wie eine Zigeunerkurtisanin? Es gibt rein gar nichts zu sehen, meine Strumpfhosen sind blickdicht und der Rock ist lang genug. Doch selbst wenn ich nackig auf dem Rad wär, sowas brüllt man einem nicht nach! Sonst fahr ich das nächste Mal zurück: tsch-tsch-ratter-ratter-knatter und leg euch Flegel übers Knie! Frechheit!

In einer anderen Situation radele ich gemütlich durch die Straße bei super Herbstwetter: Sonne, bunte Blätter und Spinnweben! Mitten auf der Fahrbahn fahr ich durch ein riesiges Spinnennetz. Ein Albtraum! Spinnen konnte ich noch nie leiden. Ist es die Art wie sie sich bewegen? Ihr pelziger Körper? Die acht Augen? Ich weiß nicht warum, aber ich finde sie gruselig. Spinnen gründen in meiner Wohnung eine Parallelgesellschaft. Denn was ist schlimmer als der Anblick einer Spinne? Sie zu töten oder zu fangen. Im Herbst bekommen wir stetig neuen Besuch, neulich sah ich eine untertassentellergroße in meiner Nähecke  (also mit den Beinen). Ist das normal mit den Spinnen? Oder habe ich hier ein mikrobiologisches Paradies für die Arachniden. Jedenfalls war das Tier in meiner Bude so groß, dass ich ihm gleich einen Namen gab. Thekla. Um ein besseres emotionales Verhältnis zu ihr zu bekommen. Als mein Freund, der sich als Spinnenfreund entpuppt hat (er fängt sie sehr behutsam, wenn er sie zu Gesicht bekommt, in einem Glas und setzt sie aus), kam, war Thekla nicht mehr da. Was ist noch schlimmer als der Anblick einer Spinne oder sie zu fangen? Dass sie nicht mehr an dem Ort ist, an dem man sie zuletzt sah und  sie sich in der Nacht im Schlaf von der Decke seilt und auf dem Gesicht landet! Aber ich schweife ab, wie ihr seht bin ich gegenüber Spinnen zimperlich. Jedenfalls fuhr ich mit dem Fahrrad durch ein Spinnennetz und ich spürte die Fäden auf meinen Wangen wie eine hauchzarte Haut, die sich über mein Gesicht spannte und ich meine auch, ich hätte aus dem Augenwinkel einen dunklen Fleck erkannt. Keine Panik! Ich trat weiter in die Pedale, ich musste mich vergewissern, dass es ein Spinnennetz war. Ich tastete mein Gesicht ab und meine Hand war danach klebrig. Wie furchtbar! Ich blickte entlang meines Ärmels und da war das Vieh! Es baumelte im Fahrtwind am seidenen Faden, der an meinem Ärmel klebte. In dem Moment fuhr ich an einem Kindergarten vorbei und die Kinder spielten im Garten, als ich schlangenlinienfahrend mit dem Arm wedelnd  und quiekend vorbei fuhr. Was die wohl dachten? Da ich natürlich gleichzeitig versuchte auf den Verkehr zu achten, ist mir entgangen ob und wie die Spinne sich gerettet hat.  Sie war einfach weg. Um Himmelwillen wo? Ich stieg vom Rad, zog die Jacke aus, blickte an mir herunter, kontrollierte meine Kleidung. Nichts. Mit einem ziemlich mulmigen Gefühl fuhr ich weiter auf die Arbeit und dort angekommen, untersuchte ich meine Locken. Es gäbe kein besseres Versteck als das Wirrwarr meiner Haare für die Spinne. Ich dachte nur noch daran in die Badewanne zu hüpfen. Wie ein Mantra wiederholte ich das Wort: Badewanne, Badewanne, Badewanne…  in meinem Kopf. Als eine Kollegin mich von hinten ansprach und  mich aus diesem Gedanken riss, schreckte ich auf und fragte: „WAnne?“  Und als ich bediente nestelte ich ab und zu weiter in meinen Haaren, wodurch ich durchaus den Eindruck erweckt haben könnte, dass ich eventuell Läuse habe. Ich entschied mich nicht weiter zu spinnen,  schließlich hab ich die Fäden in der Hand gegenüber meinen Ängsten und so versuchte ich es positiv zu sehen und dachte an Spiderman. Hey, vielleicht krieg ich ja Heldenkräfte? Wenn mir dann das nächste Mal  pubertierende Jungs obszöne Sachen hinterher rufen, werde ich ihnen den Hintern derart versohlen, sodass sie mich nächstes Mal nett grüßen und vor mir salutieren, wenn ich mit meiner Radlokomotive vorbei fietse.

P.S. 1: Thekla wurde im Schlafzimmer gesichtigt. Bevor mein Freund, der Spinnenfänger, sie jedoch eliminieren konnte, verschlupfte sie sich hinter dem Schrank… (Wenn jemand wissen will wie ich mich vor dem Einschlafen fühle, kann sich mal Hitchcock`s Music – Psycho anhören).

P.S. 2: Wer die Musik  jetzt kennt, weiß mit welchen Augenringen ich derzeit in die Arbeit geh…

 

03.11.2014

Habt ihr das von Katie Melua gehört? Mein Gott! Meine Alptraumphantasien können in der Realität noch übertroffen werden. Katie Melua hatte eine kleine Spinne im OHR. Diese hatte sich in Kopfhörern eingenistet und gelangte von dort in ihren Gehörgang. Katie bemerkte EINE WOCHE lang ein rascheln im Ohr, das daher rührte, dass die Spinne mit ihren Beinchen auf dem Trommelfell herumtanzte. Ab jetzt werde ich jedes Mal obsessiv meine Kopfhörer kontrollieren. HORROR…

 

 

26.10.14 10:30


Religiös


Ich weiß nicht was diese Woche los war oder welch seltsame Aura ich versprüht habe, aber die Leute stecken einen manchmal in Schubladen, wo ich von mir selbst nicht dachte, dass ich den Anschein erwecke dort hin zu gehören.  Einerseits nehme ich es ja gerne als Kompliment, was das hübsche Mädel gesagt hat, war richtig lieb und dessen Mutter war auch der Kracher, aber die dritte Frau, die war komisch. Jedenfalls das  Mädel kam in die Apotheke und lies sich von mir den Blutdruck messen, weil sie fühlte sich nicht wohl und ihr war schwindelig. Nachdem wir feststellten, dass ihr Blutdruck niedrig war,  gab ich ihr ein Glas Wasser und ich bot ihr daraufhin Weißdorntropfen an. Plötzlich brach sie in Lobtiraden aus, sodass  ich direkt rote Flecken auf dem Dekoltee bekam vor Scham und dem Gefühl es nicht verdient zu haben. „Sie sind immer so nett und freundlich!“ „Danke.“ „Gell, Mama die ist sooo süß! „Danke!“ Ich fühlte mich wie ein kleines Hundebaby.  Innerlich jedoch rekelte sich der  kleine Narzisst in mir  auf einem imaginären Liegesessel und  lies sich massieren von diesen Worten, die wie Balsam auf meiner Seele waren und jubelte MEHR! Was bin ich noch? Dann die Mutter: „Ja, die ist eine ganz Liebe, sie sind bestimmt Christin!“ OK, das geht jetzt in eine seltsame Richtung. Ich antwortete etwas irritiert: „Ja.“ Die Mutter daraufhin: „ Das sieht man! In ihnen brennt das Feuer Gottes!“  Der kleine Narzisst (der meistens schweigt) stimmte sogleich mit einer Gruppe Gospel Sänger ein Halleluja an und ein Heiligenschein um mein Haupt begann gleisend hell zu leuchten. Das war jedoch zu viel des Guten, die Vernunft holte mich ein. Ich watschte mich innerlich ab und der Schein viel klirrend zu Boden.  Jetzt mal halblang machen, irgendetwas stimmt hier nicht. Was die Frau mit Feuer meint ist wahrscheinlich das Fieber, das mir in die Birne gestiegen ist, weshalb ich so rote Backen hatte. Denn tatsächlich ging es mir diese Woche elend, ich hatte keinen Appetit und das ist ein wirklich schlechtes Zeichen und dann nahm es seinen Lauf mit  Übelkeit, Krämpfen, Fieber. Aber vor dem Ganzen Schlammassel, aß ich Nonnenfürzle  ( Ich liebe diese Dinger!)  und das ist somit das einzig religiöse, dass diese Woche in meinem Leben Platz hatte und somit bin ich wirklich keine gute Katholikin. Die Frau lud mich ein, sonntags  in ihre  Kirche zu kommen, sie wären eine tolle Gemeinde und ich würde dort sicher Spaß haben.  (Sehe ich wohl so deprimiert aus, als würd ich keinen besseren Ort finden,  als die Kirche um Spaß zu haben?  Ich kam mir ein wenig vor wie ein Südländer, den man nach Deutschland einlädt um Sonne zu tanken). Ok, vielleicht tue ich der Kirche unrecht, schließlich hab ich schon jahrelang nicht mehr an einer Messe teilgenommen, woher soll ich denn wissen, wie es dort zugeht. Diese Frau machte den Eindruck, als wäre sie Teil einer Hippi-Kommune, sie redete von Power, Liebe, Freiheit, Gott…. Als würde sie die ganze Welt umarmen wollen, so lauthals und enthusiastisch. Ich fand sie sympathisch, sind wir denn nicht alle ein wenig schräg? Warum seine Energie nicht in das Gute und in Gott investieren?! Ich glaube wahrscheinlich nicht so wie sie, oder  an die Institution Kirche, aber ich weiß dass ich nichts weiß. Der Mensch hat längst nicht alles durchschaut und die Chaostheorie lässt Lücken, irgendwer oder was muss das Chaos ja angestiftet haben. Ich hoffe irgendwann erfahr ich es, solange versuch ich ein guter Mensch zu sein, manchmal gelingt es und oft auch nicht. Amen.

Ok, das Mutter-Tochter Gespann war amüsant und danke für die Lobhudelei, aber das witzigste dieser Woche war die Dame, die mich ausgepresst hat wie eine Zitrone. „Sind sie Frau oder Fräulein?“ „Wie bitte?“ „Ach, Fräulein sagt man ja nicht mehr. Wie alt sind Sie denn?“ „30!“ „Wirklich? Das hätt ich ja nicht gedacht! Sind sie bei den Zeugen Jehovas?“ „Wie bitte???Äh Neiiin! Wie kommen sie denn darauf?“ „ Ja, wegen ihrer Art. Sind sie katholisch?“ „Ja?!“ „Na, Hauptsache ich weiß bescheid!“ Und mit diesem Satz drehte sie sich auf ihrem Stöckelschuh um  und ging von dannen. He? Was ist denn los? Warum fragen die Leute mich nach meiner Konfession? Was ist denn mit meiner Art? Ich versuche nur freundlich zu sein und lese nicht aus der Bibel vor. Ich kann fluchen wie die Kesselflicker und wenn ich ehrlich bin, fällt es auch mir manchmal schwer ruhig zu bleiben, bei Menschen die einen patzigen, herablassenden Ton haben oder eine unfassbare Einstellung und Meinung. Im Geiste packe ich da manchmal die Bratpfanne aus und ziehe ihnen eins über. Ach was sag ich denn da!  „Bratpfanne“ das klingt so hausfraulich, nein, ich hol die Keule unter dem HV Tisch hervor und hau wie ein Urmensch auf den Tisch. Das sind wirklich nicht besonders christliche Gedanken. Demzufolge fliegen mir keine Engelchen aus dem Allerwertesten, aber ich gebe mir Mühe gut zu sein, ich freu mich wenn es ankommt. Danke!

19.10.14 15:30


20 Fakten über mich #20factsaboutme


  1. Ich reiße  ungeduldig Verpackungen so auf, dass sie nicht mehr verschließbar sind, weil ich zu faul bin die Öffnung zu suchen und dort ewig herumzufummeln, was meinen Freund regelmäßig zur Weißglut bringt.
  2. Wenn ich mir die Fingernägel lackiere, was ich äußerst selten tue, habe ich keine Geduld meine Hände ruhig und tatenlos vor mich zu platzieren und zu warten  bis der frisch aufgetragene Nagellack trocken ist.  Deshalb kriege ich es nie hin eine perfekte, glatte, einheitliche Lackschicht ohne Kratzer und Dellen auf meinen Nägeln zu haben.
  3. Auf meiner Brille sind ständig Fingerabdrücke und ich weiß nicht, wie die dort hinkommen. Ich überlege mir bereits, ob ich mir eine Überwachungskamera anschaffen soll um mich dabei zu filmen, wie ich unbewusst meine Brille befingere.
  4. Wenn ich in Gedanken bin, dann kringele ich meine Locken. Exzessiv und in Dauerschleife mit der Folge, dass ich immer wieder Knoten in vereinzelten Haarbüscheln finde (Was ist nur mit meinen Händen los, dass die ständig beschäftigt sein müssen?)
  5. Wenn ich mich freue, reibe ich meine Hände  wie ein kleines Hexchen, das etwas ausgetüftelt hat. Das muss irgendwie genetisch bedingt sein, denn mein Vater tut dies ebenfalls  immer.
  6. Ein schönes Stück Stoff kann mich in einen Glücksrausch versetzen (ich meine das im wörtlichen Sinn) Punkte find ich toll…
  7. Ich liebe Schokolade. Ich brauche sie. Sie ist meine Nervennahrung, Trostspender und statt auf ein freudiges Ereignis anzustoßen, esse ich lieber ein paar Mon Cherie, oder auch eine Handvoll.  Dass ich außerdem auf Nutella steh, versteht sich ja von selbst.  Dörrobst hingegen verachte ich. Ich picke die Rosinen heraus um sie abzuschieben.
  8. Ich esse meinen Teller ratzeputz leer, auch wenn ich längst satt bin und Essen kann ich nicht wegschmeißen auch wenn es schon längst abgelaufen ist, was mir auch schon übelste Durchfälle beschert hat.
  9. Es ist paradox, weil ich in der Apotheke arbeite, aber ich sterbe eher bevor ich zum Arzt gehe.
  10. Ich kann meine Knie nicht leiden, hässliche Kumquats. Ich verstecke sie unter weiten Hosene.
  11. Ich bin ein Tollpatsch, ich haue mich ständig an, weswegen ich immer irgendwo einen blauen Fleck habe und dabei fluche ich wie die Kesselflicker. Es gibt solche Tage, an denen nicht nur mein Körper Schaden nimmt, sondern auch mehrere Dinge. An solchen Tagen bitte Sicherheitsabstand nehmen. (Falls ihr dieses Jahr auf Mallorca auf der Flughafentoilette wart: Den Seifenspender habe ich mit nur einem einzigen Finger aus der Wandverankerung gerissen.
  12. Ich bin äußerst schreckhaft. Wenn sich mir jemand unbemerkt nähert und mich von hinten anspricht, springe ich in die Luft wie eine Hupfdohle und wenn es arg ist, entschlüpft mir ein hoher Ton. Das schlimme daran ist: Es passiert mir auch wenn ich vorgewarnt bin. 
  13. Ich halte es tagelang aus ohne ein einziges Wort zu sprechen.
  14. Ich bin der Hunde typ, ich heule wenn in einem Film ein Hund leiden oder sterben muss. Zugegeben ich bin nah am Wasser gebaut, eine romantische Tragödie oder verfilmte Verbrechen der Menschheitsgeschichte bringen mich ebenfalls zum Weinen, aber komme ich  zunächst lachend in einen Raum und sehen  im  Fernsehen dort, wie gerade ein Hund stirbt, treibt es mir zuverlässig die Tränen in die Augen, da braucht es keinen  emotionalen Vorspann.
  15. Wenn ich alleine bin, tanze ich verrückt bis zur Erschöpfung.
  16. Mein Handy ist für mich ein nutzloses Werkzeug. Entweder ich habe es dabei und der Akku ist leer oder ich habe es nicht dabei, weil der Akku zu Hause lädt.
  17. Ich besitze keinen Orientierungssinn und verfahre mich ständig.
  18. Kleine Parklücken sind für mich ein Graus. Da fahre ich lieber stundenlang im Kreis herum, als mein Auto in eine enge Parklücke zu bugsieren
  19. Es gibt kaum ein Thema, das mich derart in Rage und helle Aufregung versetzt, wie die Ungleichheit zwischen Mann und Frau. Die Ansicht, dass Frauen den Männern unterlegen seien macht mich wild.
  20. Ich bin schüchtern und werde schnell rot.
28.9.13 16:57


 [eine Seite weiter]
Gratis bloggen bei
myblog.de